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Der Sonderwettbewerb “Mein Fenster” im diesjährigen Oberhausener Programm hat deutlich gemacht, daß in einer Zeit, in der die Kurzfilme immer länger und leider auch geschwätziger werden, zündende Ideen überzeugend ins Bild gesetzt werden können, obwohl dafür jeweils höchstens drei Minuten zur Verfügung standen. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob diese Idee von Wolfgang Ruf weitergehende Auswirkungen auf die Filmemacher hatte. Im Hauptprogramm dieses Jahres war, wenn man von den traditionell kurzen Animationsfilmen einmal absieht, relativ wenig von Kürze und Würze zu finden. Eine der großen und überzeugenden Ausnahmen war TRANSFORMATION BY HOLDING TIME. Die Kamera zeigt zunächst einen Atelierraum mit einem weiblichen Modell (in Zwartjes-Manier geschminkt) auf einem Sofa. Dieses Modell wird von einem Fotografen abgelichtet und die so entstandenen 15 Fotos werden auf eine zunächst unsichtbare Glasplatte vor der Kamera geklebt, bis nur noch diese Bilder zu sehen sind. Jeweils fünf Fotos von Oberteil, Mitte und Unterkörper des Modells, und diese jeweils von linker bis rechter Frontalansicht reichend, werden so zu einem Mosaik des Mädchens zusammengesetzt. Ist allein dies schon ein reizvoller Beitrag zu der den Experimentalfilm beschäftigenden Frage von Bildunterteilungen im Film (vgl. dazu etwa Bastian Clevés LICHTBLICK oder SYDNEY HARBOUR BRIDGE von Paul Winkler), so erhält der Film seine Bedeutung und seinen großen ästhetischen Reiz durch die Tatsache, daß die Fotos mit Polaroidfilmen für den Typ SX 70 gemacht wurden. Die sichtbare Entwicklung der Fotos vor der Kamera läßt das endgültige Mosaik erst allmählich im zeitlichen Ablauf vor dem Zuschauer entstehen. Paul de Nooijer benutzt damit ein Prinzip, das aus völliger Umkehr der traditionellen Bauweise des Films besteht. Nicht Abbilder fügen in zeitlicher Folge einen Film zusammen, sondern Film fügt ein Bild zusammen. Eine der Grundforderungen des Experimentalfilms wird damit in hervorragender Weise erfüllt: Die Darstellung von etwas, was nur das Medium Film zu leisten im Stande ist. Doch leistet TRANSFORMATION BY HOLDING TIME nicht nur einen Beitrag zur Eigensprachlichkeit des Mediums Film, sondern auch einen überaus reizvollen Beitrag zur Wechselwirkung zwischen zwei unterschiedlichen Medien, wie er, soweit bekannt, bisher noch nicht versucht worden ist. Räumliche und zeitliche Einheit des Films, eine überzeugend umgesetzte neue Idee und nicht zuletzt die Kürze von nur drei Minuten machen diesen Beitrag auch für Zuschauer genießbar, die nicht von vornherein für ästhetische und formale Innovationen ansprechbar sind. Der Applaus des Publikums bewies dies nachdrücklich. Auch von daher ist die Auszeichnung mit einem der Hauptpreise gerechtfertigt. Die filmpolitische Dimension dieser Auszeichnung, nämlich die Anerkennung des Experimentalfilms nach zehn Jahren der Verdrängung in Oberhausen, soll hier nur angedeutet werden. Interessant und sicherlich überraschend für die meisten, daß die Niederlande sich in Oberhausen als Tummelplatz experimenteller Talente durchsetzen konnten, denn der experimentelle Animationsfilm EASY ACTION ANIMATED von Karin Wirtz und Jacques Verbeek gewann ebenfalls einen Hauptpreis. Mag sein, daß die auf diesem Gebiet gern als führend angesehenen Amerikaner Oberhausen meiden oder so recht keine neuen Ideen mehr haben; mag sein, daß Wolfgang Ruf in den Niederlanden geschickter aus-gewählt hat; mag sein, daß Peter Rubin als Organisator des niederländischen Experimentalfilms Impulse und Rückhalt für eine kreative Produktion gegeben hat. Ganz sicher jedoch sollte man auch 1980 wieder gespannt auf die experimentellen Beiträge aus unserem Nachbarland sein. Bericht 25. Westdeutsche Kurzfilmtage Oberhausen 1979
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